Erste Erwähnung und Besiedelung

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gab es ein Rittergeschlecht, das sich "von Pongau" schrieb. Heinrich Stempo, ein Mitglied des Rittergeschlechts, hatte vom Erzbischof Konrad I. den Hof in Thumerspach zum Lehen. Heinrich trat 1141 ins Stift St. Peter ein und übergab das Gut dem Kloster. Es handelt sich um den Lohninghof, der heute als Gasthaus und Kulturzentrum genutzt wird.

Der See

Die Thumersbacher Bevölkerung überquerte früher in den eisfreien Jahreszeiten den See mit Booten. Es standen Flachboote und Plätten im Einsatz, die mit einem Stehruder bewegt und gesteuert wurden. Sobald die winterliche Eisdecke fest genug war, wurde der See zu Fuß oder per Fuhrwerk überquert. Noch heute queren Fußgänger den See, sobald die Eisdecke freigegeben ist. In den Zwischenzeiten war für die Thumersbacher der Weg in die Kirche oder zum Markt mit dem beschwerlichen Umweg über das Nord- oder Südufer verbunden. Später kamen bedingt durch den Fremdenverkehr anstelle der Boote mit Stehruder Zillen mit zwei oder vier Rudern auf. 1881 wurde das erste Dampfboot in Betrieb genommen. Nach der Schiffstaufe – das Boot erhielt nach der damaligen Kronprinzessin den Namen Stephanie – fand die Eröffnungsfahrt nach Thumersbach statt. Seit den 1920er Jahren versorgten verschiedene Motorboote den Verkehr über den See.

Die Straße

1549 wurde von Christoph Perner, der das Schmelzwerk in Thumersbach gekauft hatte, der Saumweg, der von Schloss Fischhorn nach Thumersbach führte, zu einem für Fuhrwerke befahrbaren Weg ausgebaut. Aus diesem Weg wurde später die Thumersbacher Straße (L 247). 1881 wurde eine Stellwagenverbindung von Thumersbach über Erlberg nach Bruck und Fusch geführt. Diese war früher hochwassergefährdet und oft überflutet, was erst durch den Bau eines Pumpwerkes zur Salzach dauerhaft abgestellt werden konnte. Im Jahr 1890 wurde eine neue Straße durch das Prielaumoos trassiert, wodurch die Verbindung von Thumersbach nach Zell am See verkürzt werden konnte.

Die Bahn

Die Westbahn sollte ursprünglich zwischen Bruck und Maishofen nicht über den Hauptort Zell am See am Westufer des Sees, sondern am Ostufer entlang über den Zeller Ortsteil Thumersbach geführt werden. Diese Trasse wäre die logische, weil kürzere und somit ökonomischere gewesen. Die Zeller Bürgerschaft, allen voran Bürgermeister Josef Salzmann, konnte jedoch bei den Verantwortlichen rechtzeitig eine Verlegung an das Westufer erreichen. Die Bahn erleichterte Gästen den Besuch der Region und brachte trotz der Trassenverlegung auch Thumersbach einen wirtschaftlichen Nutzen.

Das Flugzeug

1921 landete das erste Flugzeug auf der Eisfläche des Zeller Sees.

Kirche und Schule

Jahrhundertelang wollte die Thumersbacher Bevölkerung eine eigene Kirche und Seelsorge. Aber erst 1955 wurde eine Kirche erbaut. Mehrere Thumersbacher Bauern suchten bereits 1746 um einen eigenen Lehrer an, da der Schulweg nach Zell am See lang, beschwerlich und mitunter gefährlich war. Der Schulunterricht erfolgte im Laufe der Jahre in verschiedenen Gebäuden und hatte zeitweise einen besseren Ruf als die Schule in Zell am See. Erst 1934 konnte ein eigenes zweiklassiges Schulgebäude eingeweiht werden. 1959 wurde die neu errichtete vierklassige Volksschule in Betrieb genommen.

Wirtschaft, Bergbau

In Thumersbach befand sich im 15. Jahrhundert ein Kupferbergwerk und im 16. Jahrhundert wird ein Schmelzwerk urkundlich erwähnt. Im Michelbachgraben wurde einst silberhaltiger Bleiglanz und am Erlberg Kupferkies abgebaut.

Land- und Forstwirtschaft

spielten vor dem Aufkommen des Fremdenverkehrs lange Zeit auch in Thumersbach wirtschaftlich die größte Rolle. Die landwirtschaftlichen Güter und Hofstätten befanden sich mehrheitlich an den Berghängen. Im Tal standen nur wenige Gebäude.

Fremdenverkehr

Seit dem Bahnbau wurde der Fremdenverkehr neben der Landwirtschaft immer mehr zum wichtigsten Einkommensfaktor in Thumersbach. Der erste bedeutende Thumersbacher Fremdenverkehrsbetrieb war Hotel Bellevue.

Bekannte Persönlichkeiten zu Gast in Thumersbach

Thumersbach wurde wegen seiner schönen und sonnigen Lage von vielen prominenten Personen als Wohn- oder Urlaubsort gewählt. Es waren renommierte Ärzte, die Anfang des letzten Jahrhunderts den Ort Thumersbach als ideale, idyllische Familiensommerfrische entdeckten. Mizzi von Winiwarter und Dr. Julius Hochenegg waren die ersten Wiener Familien, die 1897 Seegrundstücke erwarben. Es folgten Theodor von Brücke und seine Frau Emilie "Millie", geb. Wittgenstein, die 1899 nach Thumersbach kamen und 1900 ihre Villa am See erbauen ließen.

1902 erwarb die Familie Whitehead das Anwesen Erlhof in Thumersbach. 1908 lernte ihre Tochter Agathe auf einem Ball in Pola (heute Pula, Kroatien) den hochdekorierten Marine-Offizier Georg Ritter von Trapp kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick, und bereits am 14. Jänner 1911 folgte die Hochzeit der beiden. Während des Ersten Welt­krieges zog Agathe von Trapp mit ihren zwei Kindern (Rupert und Agathe) auf den Gutshof ihrer Mutter, die mit Sir John Whitehead, Sohn des Engländers Robert Whitehead, dem Erfinder des Torpedos, verheiratet war. Hier am Erlhof kamen vier weitere Kinder zur Welt: Maria (1914), Werner (1915), Hedwig (1917) und Johanna (1919). Die Kinder wuchsen in einer sehr musikalischen Umgebung auf. Agathe von Trapp spielte Klavier und Violine, ihr Mann Georg beherrschte das Akkordeon, die Violine und die Mandoline. Auch die Großmutter, Agathe Whitehead, spielte Klavier.

Der englische Schriftsteller D. H. Lawrence, dessen Lebensgefährtin Frieda von Richthofen war, verbrachte 1921 mehrere Wochen in Thumersbach. Friedas jüngere Schwester Johanna war mit dem preußischen Major Max von Schreibershofen aus Berlin verheiratet. Dieser besaß einen Sommersitz am Zeller See – die Villa Alpensee in Thumersbach. Die Lawrences verbrachten im Juli und August 1921 vier relativ unbeschwerte Wochen mit dem Ehepaar Schreibershofen in Thumersbach. Trotz seiner Lungenkrankheit war D. H. Lawrence ein begeisterter Bergsteiger: „On Tuesday we climbed the Hundstein – twice as high as Snowdon – and the snowy peaks all round. Yesterday we drove to the big glacier at Ferleiten – or rather under it. The waters roar down like thunder. Pity you can't all be here – it is never too hot.“

Stefan Zweig liebte die Sommerfrische im wunderschönen Thumersbach bei Zell am See. Hier fand er seine Zufluchtsstätte vor dem Trubel der Salzburger Festspiele. Immer wieder zog es ihn in den 1920er und 1930er-Jahren für einige Wochen hierher. Anfangs wohnte er noch im herrschaftlichen Grand Hotel. Dort traf er auf Felix Blaickner, einen weltoffenen, umtriebigen Pinzgauer. Dieser erzählte dem Autor von seiner Bootshütte am See, und gegen eine größere Geldsumme wurde die einfache Bootshütte zu einem kleinen „Zweizimmer-Häuschen“ für Stefan Zweig umgebaut. Bereits 1931 nistete sich Stefan Zweig dort ein und begann an seiner „Postfräuleingeschichte“ zu arbeiten. Anna Meingast, seine Sekretärin, brachte ihm während dieser Zeit mehrmals pro Woche seine Post aus Salzburg. Sie fuhr dafür mit der Bahn nach Zell am See und wurde dort von einem Boot abgeholt. Die „Postfräuleingeschichte“ wurde nie vollendet. Neun Jahre später arbeitete Zweig gemeinsam mit Berthold Viertel die Geschichte im Exil zu einem Drehbuch um. Der Film erschien 1950 unter dem Titel „Das gestohlene Jahr“ in den Kinos. Zweigs Romanfragment wurde erst 1982 unter dem Titel „Rausch der Verwandlung“ herausgegeben.

Der ehemalige Landeshauptmann Dr. Rehrl besaß ein Haus am Thumersbacher Seeufer, später erwarb er das Raingut.

Quellenangabe:
Alois Dürlinger: Thumersbacher Chronik, 2004.
Josef Lahnsteiner: Unterpinzgau - Zell am See, Taxenbach, Rauris. Hollersbach, Selbstverlag 1960
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